Deutsch-Französische Partnerschaft seit 1970

Renommierte Organistin aus Paris spielte zum Jubiläum

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1655 Jahre Élysée-Vertrag – Kriegerdenkmal als Mahnung

Ein Jubiläum von europäischer Bedeutung, eine deutsch-französische Freundschaft und ein besonderes Denkmal waren am Sonntag, 15.04.2018 Anlass für ein außergewöhnliches Konzert auf der historischen Klais-Orgel in Holpe. Der Partnerschaftsverein Morsbach/Milly-la-Forêt hatte anlässlich des 55jährigen Bestehens des Élysée-Vertrages dieses Konzert organisiert und konnte durch Vermittlung eines Bürgers aus dem französischen Partnerschaftskanton Milly-la-Forêt mit Helga Schauerte-Maubouet eine exzellente Organistin dafür gewinnen.

Die renommierte Organistin Helga Schauerte-Maubouet bestritt ein Konzert auf der historischen Klais-Orgel in Holpe. Fotos: C. Buchen

Die renommierte Organistin Helga Schauerte-Maubouet bestritt ein Konzert auf der historischen Klais-Orgel in Holpe. Fotos: C. Buchen

Holpe war im Hinblick auf die deutsch-französische Verständigung insofern der geeignete Veranstaltungsort, als es hier ein besonderes historisches Kriegerdenkmal gibt. Auf dem Denkmal am Ortsrand von Holpe steht in großen Lettern: „Wilh. Kraus erschoss den ersten Franzosen“. Was nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 wohl eher an eine Ruhmestat des aus Holpe stammenden Soldaten erinnern sollte, gilt heute, nach Auffassung der beiden Partnerschaftsvereine in Morsbach und Milly, viel mehr als Mahnung, Konflikte nicht mit Waffen auszutragen und Freundschaften zu pflegen.

Hanne Gräser, die Vorsitzende des hiesigen Partnerschaftsvereins, begrüßte die rund 60 Zuhörer und die Interpretin in der katholischen Kirche St. Mariä Heimsuchung in Holpe. Dr. Dirk van Betteray oblag es, Helga Schauerte-Maubouet vorzustellen. Im sauerländischen Lennestadt geboren, ist sie heute Organistin an der deutschen evangelischen Christuskirche in Paris und zählt zu den profunden Kennerinnen und international renommierten Interpretinnen der französischen Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Autorin des „Handbuchs der Orgelmusik“ ist außerdem Orgellehrerin am Pariser Konservatorium, hat über 40 CDs eingespielt und in Anerkennung ihrer Verdienste das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Helga Schauerte-Maubouet wurde außerdem vom französischen Kultusministerium mit dem „Orden der Künste und der Literatur“ ausgezeichnet.

Hanne Gräser (r.) vom Partnerschaftsverein Morsbach/Milly-la-Forêt dankte Helga Schauerte-Maubouet für ein außergewöhnliches Orgelkonzert.

Hanne Gräser (r.) vom Partnerschaftsverein Morsbach/Milly-la-Forêt dankte Helga Schauerte-Maubouet für ein außergewöhnliches Orgelkonzert.

Bei dem Konzert in Holpe ließ die Organistin Werke verschiedener französischer und deutscher Komponisten erklingen. Den Reigen der Orgelwerke eröffnete sie mit der „Toccata“ von Gaston Bélier. Es folgte ein bedächtiges „Adagio aus der 3. Sonate“ von Alexandre Guilmant. Von César Franck, einem der bedeutendsten französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, erklang das Stück „Pièce héroique“, das er im Gedenken an die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 gefallenen Soldaten geschrieben hatte.

Von Louis Vierne stammte „Carillon“, von seinem Bruder Réné die „Toccate“ aus dem Jahr 1914, kurz bevor dieser im Ersten Weltkrieg von einer österreichischen Granate tödlich getroffen wurde. Helga Schauerte-Maubouet brachte auch Stücke deutscher Komponisten zu Gehör, so von Max Reger (“Siciliano, op. 47“) und von Sigfrid Karg-Elert („Nun danket alle Gott, op. 65“).

Das deutsch-französische Orgelkonzert endete nicht ohne eine Zugabe der bekannten Organistin. Unter anhaltendem Beifall der Zuhörer bedankte sich Hanne Gräser bei dem Gast aus Paris mit einer großen Orchideenstaude. Christoph Buchen

Élysée-Vertrag
Der als Élysée-Vertrag bezeichnete deutsch-französische Freundschaftsvertrag wurde am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast unterzeichnet. Der Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit hat die beiden Länder nach langer „Erbfeindschaft“ und verlustreichen Kriegen kontinuierlich zusammengeführt. Er sollte die Aussöhnung zwischen den Völkern Deutschlands und Frankreichs besiegeln und legte den Grundstein für die Freundschaft zwischen beiden Ländern.

Kriegerdenkmal Holpe
Das Kriegerdenkmal in Holpe wurde 1911 vom Krieger- und Landwehrverein Holpe errichtet. Eine Steinplatte trägt die Gravur: „Zum Andenken an die siegreichen Feldzüge 1866-1870/71. Den Heldentod starben 1870/71: … Kraus Wilh. erschoss den ersten Franzosen“. Die Inschrift (4. Zeile von unten) erinnert daran, dass der erste preußische Soldat, der 1870 einen Franzosen tötete, Wilhelm Kraus hieß und ein Sohn des Tagelöhners Kraus aus Reinshagen bei Holpe war. Wilhelm Kraus galt als besonders guter Schütze. Er diente bei Ausbruch des Krieges 1870 beim 40. Hohenzollern`schen Füsilier-Regiment.

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